Europäische Union (EU) und EHS

Europäische Union (EU) und EHS

Flaggen der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU)/ Gesundheitsrisiken durch elektromagnetische Felder

Die EU und Elektrosensibilität (EHS)

Die Europäische Union (EU) ist ein Zusammenschluss von derzeit 27 europäischen Ländern, die eng in Politik, Wirtschaft und Recht zusammenarbeiten. Ziel der EU ist es, Frieden, Stabilität und Wohlstand in Europa zu fördern und den freien Austausch von Waren, Dienstleistungen, Menschen und Ideen zu ermöglichen. Darüber hinaus soll sie gemeinsame Herausforderungen wie Umwelt, Sicherheit und Bildung bewältigen.

Auch im Bereich Elektrosensibilität (EHS) kommt der EU eine bedeutende Rolle zu. Sie unterstützt Forschung zu den gesundheitlichen Auswirkungen elektromagnetischer Felder, entwickelt Richtlinien zum Schutz der Bevölkerung und fördert den Austausch von Wissen zwischen den Mitgliedstaaten. So soll gewährleistet werden, dass Betroffene gehört werden und mögliche gesundheitliche Risiken minimiert bleiben.

EHS in der EU: Fakten, Forschung und politische Diskussion

Im Jahr 2023 hat das Europäische Parlament engagierte Bürger aus der europaweiten mobilfunkkritischen Bewegung in einem Workshop angehört, um ihre Erfahrungen mit den Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung zu diskutieren. Elektromagnetische Überempfindlichkeit (EHS) wird dabei als Zustand definiert, bei dem verschiedene Symptome auftreten. Diese Symptome sind oft unspezifisch und werden auf die Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern menschlichen Ursprungs zurückgeführt.

Der Workshop brachte MdEPs, Vertreter der Europäischen Kommission und Interessenvertreter zusammen, um den aktuellen Stand der Wissenschaft zu EHS zu erörtern. Forschungen und Publikationen von Wissenschaftlern aus ganz Europa wurden vorgestellt, unterstützt durch Kommunikationsposter und Debatten über mögliche politische Maßnahmen.

EHS kann eine ernsthafte Einschränkung darstellen und betrifft eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen. So schätzte die französische Agentur für Lebensmittel-, Umwelt- und Arbeitsschutz (ANSES) 2018 die Prävalenz der EHS in der Allgemeinbevölkerung auf etwa 5 %, was rund 25,6 Millionen Europäer betrifft. Der ANSES-Bericht betont, dass die Beschwerden der Betroffenen – wie Schmerzen und andere Leiden – real sind und die Menschen ihren Alltag entsprechend anpassen müssen. Die Symptome sowie die soziale Isolation, die manche erleben, erfordern eine angemessene Betreuung durch Gesundheits- und Sozialdienste.

Weitere Erhebungen zeigen, dass etwa 0,65 % der Bevölkerung aufgrund von EMF-Empfindlichkeit nur eingeschränkt arbeiten können, was fast 5 Millionen EU-Bürgern entspricht. Die wissenschaftliche Forschung und politische Diskussionen zu EHS sind daher entscheidend, um Verständnis, Schutzmaßnahmen und mögliche Behandlungsoptionen weiterzuentwickeln. youtube.com (Infobox)

Berichte über die Anhörungen

Rob van der Boom, Mitinitiator der Bürgerinitiative „Stop 5G, Stay Connected but Protected“ und aktiv in der sich derzeit gründenden Organisation „Europeans for Safe Connections“, sprach zuerst und stellte die Schattenseiten des drahtlosen Zeitalters und der Einführung von 5G vor. Er wies auf die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen, Flora und Fauna hin. Er stellte die Auswirkungen auf die Privatsphäre der EU-Bürger dar, sowie die Abfall- und Umweltverschmutzung durch den Abbau seltener Ressourcen, die für elektronische Geräte bestimmt sind.

diagnose-funk.org

Beeindruckend wurde in Kurzvorträgen und einem Film dargestellt, was die Belastung durch Elektrosmog für elektrohypersensible Menschen bedeutet. Doch Peter Stuckmann (Europäische Kommission, GD CNECT), der als Vertreter der Kommission anwesend war, ignorierte die Ausführungen ohne jegliche Empathie und sprach davon, dass die EU wegen der Weltmarktführerschaft den Ausbau von 5G und 6G brauche.

diagnose-funk.org

EU-Workshop zu 5G: Gesundheit, Umwelt und Datenschutz im Blick

Am 7. Februar 2023 fand im Europäischen Parlament ein Workshop für Abgeordnete, Vertreter der Kommission und weitere Interessierte statt, organisiert von EU-Abgeordneter Michele Rivasi. Im Mittelpunkt standen die gesundheitlichen, ökologischen und datenschutzrechtlichen Risiken moderner drahtloser Technologien, insbesondere der 5G-Ausbau.

Rob van der Boom vom Bürgerbegehren Stop 5G – stay connected but protected berichtete über die negativen Auswirkungen auf Menschen, Tiere, Pflanzen und die Umwelt. Zudem wies er auf Datenschutzprobleme und die Belastungen durch den Abbau seltener Rohstoffe für elektronische Geräte hin. Peter Stuckmann erläuterte anschließend die Perspektive der EU auf technologische Entwicklungen der nächsten zehn Jahre.

Rivasi schloss den Workshop mit einem eindringlichen Appell: Neue Generationen drahtloser Technologien sollten nur eingeführt werden, wenn ihre Folgen für Gesundheit, Umwelt und Datenschutz sorgfältig geprüft wurden.

Elektrosensibilität als Krankheit anerkannt – EU-Position 2022

EU-Amtsblatt, März 2022 (S. 38, Abschnitt 4.13)

Das Europäische Parlament, der EWSA und der Europarat haben anerkannt, dass Elektrosensibilität bzw. Elektrosensitivität eine Krankheit ist. Hiervon sind eine Reihe von Menschen betroffen, und mit der Einführung von 5G, für das eine viel höhere Dichte elektronischer Anlagen benötigt wird, könnte dieses Krankheitsbild häufiger auftreten. eur-lex.europa.eu (Amtsblatt 2022/C 105/06)

elektrosensibel-ehs.de

Kritik an EU-Studien zu Gesundheitsrisiken elektromagnetischer Strahlung

In den letzten 15 Jahren hat die EU mehrere Expertenstudien zu den möglichen Gesundheitsrisiken elektromagnetischer Strahlung durchgeführt. Zuständig dafür ist die Expertengruppe SCHEER (früher SCENIHR). Diese Studien wurden jedoch größtenteils von Experten erstellt, die nur einen Teil der wissenschaftlichen Gemeinschaft repräsentieren. Viele von ihnen haben Verbindungen zur Industrie oder sind Mitglieder von Industrieorganisationen, die hinter den veralteten Grenzwerten stehen, die nachweislich nicht vor Gesundheitsrisiken schützen.

Kritische Wissenschaftler wurden dagegen meist ausgeschlossen. Dadurch waren die Ergebnisse der Studien nicht objektiv, sondern tendenziell zugunsten der Industrie.

Kritik an der SCENIHR-Studie von 2015

Ein Beispiel ist die Studie der Europäischen Kommission vom 6. März 2015, die die Gesundheitsrisiken elektromagnetischer Strahlung untersuchte. Sie stieß auf deutliche Kritik, da sie von Experten erstellt wurde, die für ihre Risikoleugnung bekannt sind und fast alle Verbindungen zur Industrie besitzen. Keiner der vielen unabhängigen Wissenschaftler, die auf überzeugende und wachsende Belege für ernsthafte Gesundheitsrisiken hinweisen, wurde eingeladen. stralskyddsstiftelsen.se

Forderung nach Überarbeitung des EU-Berichts

Aufgrund der einseitigen Zusammensetzung der Expertengruppen und der unvollständigen Bewertung der Risiken fordern 20 internationale Organisationen eine vollständige Überarbeitung des irreführenden EU-Berichts. Der Bericht wurde von einer Expertengruppe erstellt, die enge Verbindungen zur relevanten Industrie hat, und schließt den Teil der wissenschaftlichen Gemeinschaft aus, der überzeugende Belege für ernsthafte Gesundheitsrisiken vorlegt.

In einem gemeinsamen Protest an die Europäische Kommission fordern 20 Organisationen daher, den Bericht zurückzuziehen und vollständig neu zu verfassen, um die Gesundheit der EU-Bürger angemessen zu schützen.

1. Ignorierte Warnungen internationaler Experten

Eine wachsende Gruppe unabhängiger Wissenschaftler sieht umfangreiche Hinweise auf ernsthafte Gesundheitsrisiken.

  • Im Mai 2015 schickten 190 internationale Experten einen Appell an UN, WHO und die Mitgliedsstaaten.
  • Sie forderten besseren Schutz der Öffentlichkeit, strengere Vorschriften und Grenzwerte sowie umfassendere Informationen für die Bevölkerung.

2. Klare Belege für gesundheitliche Risiken

Die Organisationen weisen darauf hin, dass der SCENIHR-Bericht versagt hat, „mögliche Gesundheitsrisiken“ angemessen zu identifizieren.

  • Zahlreiche Studien zeigen wachsende Belege für gesundheitliche Schäden wie Hirntumore, Krebs, neurodegenerative Erkrankungen, fötale Schäden und stressbedingte Erkrankungen.
  • Bereits 2015 legte die Gruppe der Bioinitiativen diese Risiken gegenüber der Kommission dar.

3. SCENIHR-Bericht: Ein Fehlschlag

Der SCENIHR-Bericht ignoriert die wissenschaftlichen Beweise für Gesundheitsrisiken, denen heute praktisch alle Menschen in Europa ausgesetzt sind, einschließlich Kleinkinder.
Zudem werden unabhängige Experten, die ernsthafte Risiken sehen, ausgeschlossen.


4. Industrieeinfluss in der Expertengruppe
  • Vorsitzender der SCENIHR-Arbeitsgruppe: Theodoros Samaras
    • Ehemaliger Berater von Vodafone
    • Mitarbeiter von IT’IS, einer von der Industrie finanzierten Organisation in der Schweiz
    • Mitglied der von der Industrie dominierten IEEE
    • Verbindungen zur Industrie wurden nicht offengelegt
  • Weitere SCENIHR-Mitglieder: Mats-Olov Mattsson und Kjell Hansson-Mild (TeliaSonera)
    • Mattsson behauptete, unentgeltlicher Berater zu sein, doch Organisationen zweifeln dies an
    • Beteiligung an privaten Instituten mit starker Industriefinanzierung wurde nicht offengelegt

5. Dominanz von ICNIRP und IEEE

Untersuchungen zeigen:

  • Mitglieder von ICNIRP und IEEE dominieren die Expertenberichte von WHO, EU und Schweden.
  • ICNIRP ignoriert wachsende Belege für gesundheitsschädliche Auswirkungen und erhöhtes Krebsrisiko.
  • Gleichzeitig schwächt ICNIRP den Schutz weiter ab, um den Rechtsrahmen an 5G anzupassen.
  • Die unzureichenden Grenzwerte führen zu Leiden und vermeidbaren Todesfällen. stralskyddsstiftelsen.se

ICNIRP dominiert Expertenstudien

Eine Untersuchung zeigt, dass die Mitglieder von ICNIRP und IEEE die Expertenberichte der WHO, der EU und Schwedens dominieren. Zudem ignoriert die ICNIRP die zunehmenden Beweise für gesundheitsschädliche Auswirkungen und ein erhöhtes Krebsrisiko. Dennoch schwächt die ICNIRP den Schutz weiter ab, um den Rechtsrahmen an die zunehmende Strahlung von 5G anzupassen. Die völlig unzureichenden Grenzwerte der ICNIRP führen zu Leiden und vorzeitigem Tod, die hätten verhindert werden können. stralskyddsstiftelsen.se

Diskussion zu 5G im Europäischen Parlament

Prof. Dr. Klaus Buchner und Ulrich Weiner († 12.11.2025) sprachen in einer Live-Sendung im Europäischen Parlament über die möglichen gesundheitlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Risiken des 5G-Ausbaus. Eingeladene Vertreter der Mobilfunkanbieter sagten kurzfristig ab, sodass die Perspektive der Industrie in der Debatte fehlte.

Bisher ist die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) die einzige politische Partei, die sich aktiv gegen den Aufbau von 5G ausspricht. Sie fordert eine gründliche Prüfung der gesundheitlichen und ökologischen Folgen.

Weitere Informationen zum Thema 5G und möglichen Risiken finden sich auf den Webseiten der Teilnehmer:

Artikel

  • tagesspiegel.de | Elektrosmog- Europa ignoriert mögliches Krebsrisiko von 5G
  • mail.cdndata.io | Europäische Bürger reisen zum EU-Parlament, um ein unliebsames Thema vorzutragen
  • diagnose-funk.org | Michele Rivasi (MdEP) organisierte Workshop im EU-Parlament zu Elektrohypersensibilität

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