Schweiz | Geschirmte Gebäude zum Schutz von elektrosensiblen Personen

Der Freiburger Architekt Gédéon Abebe hat beschlossen, geschirmte Gebäude für Menschen mit Elektrosensibilität zu schaffen.

Elektrohypersensibilität (EHS) soll für 800.000 Menschen in der Schweiz eine Realität sein, so die Verbände, die sich für die Anerkennung dieser Krankheit einsetzen. Angesichts dieser großen Zahl entwickelt sich ein Markt, insbesondere im Immobilienbereich. VIDEO: rts.ch

Nach acht Jahren auf der Flucht vor elektromagnetischen Feldern fand das Ehepaar Rouiller Erholung in Maison Monsieur, einem Weiler in Lime de Fonnier, der noch nicht an das Schweizer Mobilfunknetz angeschlossen ist.

„Mein Herz bleibt stehen, wenn ich zu viele Funkwellen abbekomme, ich fange fürchterlich an zu zittern oder mir wird schwindelig. Wir haben jahrelang nach einem Ort gesucht, an dem es noch keine (künstlichen) Funkwellen gibt, keine Antennen, und wir haben ihn hier gefunden. Es erlaubt mir zu überleben“, so Diana Rouiller, elektro-hypersensibel.

Bericht ab Minute 21:41

Geschirmte Gebäude

Mit dem Aufkommen von 5G und der fast vollständigen Abdeckung des Gebiets wird die Suche nach sogenannten weißen Flecken wie Maison Monsieur immer komplexer. In Schmitten (FR) beschloss der Architekt Gédéon Abebe, das Paradigma umzukehren und drei geschirmte Gebäude zu schaffen, um die Bewohner vor Strahlung von außen zu schützen.

„Einer der Faktoren ist diese Abschirmfarbe auf Kohlenstoffbasis. Wir bevorzugen leitfähige Materialien mit hervorragender Erdung, um diese elektromagnetischen Felder zu reduzieren“, erklärt er.

Abgesehen von einem Gebäude für chemieempfindliche Gebäude in Zürich sind dies die ersten Bauten dieser Art in der Schweiz. Innovative Technologien wie Drahtgitter oder die Entmagnetisierung von Betonplatten mussten eingeführt werden. Vor allem musste sichergestellt werden, dass sie effektiv sind.

„Viele Menschen sind betroffen“

Nach Angaben des Ingenieurs Pierre Dubochet können diese Gebäude Handysignale um das 300-fache abschwächen. „Das Ideal ist es, nach Fertigstellung der Baustelle eine 1000- bis 3000-fache Leistungsdämpfung zu erreichen“, betont er. Trotz Mehrkosten von insgesamt 10 bis 15 % hat sich der Bauträger Alain Deschenaux von diesem Nischenmarkt, der noch in den Kinderschuhen steckt, verführen lassen.

„Zunächst einmal geht es darum, zu sehen, ob das System funktioniert, denn es gibt keine Regeln wie in der Ökologie oder der Energie. Wir müssen auch darauf achten, dass der Markt reagiert, aber bei unserer Analyse haben wir festgestellt, dass viele Menschen von diesem Problem betroffen sind“, sagt der Promoter.

Der Verein “Schutz vor Strahlung“ berichtet in seinem Newsletter (Email) vom 30.08.2021:

Die Siedlung COCON ist speziell für Menschen konzipiert, die besonders sensibel auf elektromagnetische Strahlung reagieren, also unter Elektrohypersensibilität leiden. Dabei entsprechen die Wohnungen in jeder Beziehung den heutigen Komfortstandards, sodass die Bewohnerinnen und Bewohner auf nichts verzichten müssen.

Die Überbauung bietet einen Objektausbau mit Akzent auf Elektrosensibilität, mit hochstehender Materialwahl und Gerätschaften nach modernstem Standard, mit edlen Parkettböden in lichtdurchfluteten Räumen, mit praktischen Nasszellen, grosszügigen Balkonen, eigenen Waschtürmen und rollstuhlgängigen Wegen. Die Überbauung liegt naturnah, wenige Gehminuten zum Ortszentrum entfernt, nahe Schulen und Autobahnauffahrt Düdingen.

Vor Strahlen schützen? Wie soll das gehen? Eigentlich ganz einfach. Mit baulichen Massnahmen wird dafür gesorgt, dass elektromagnetische Wellen erst gar nicht in das Innere des Gebäudes gelangen. Dies geschieht unter anderem durch Abschirmfarbe und Abschirmvlies an den Wänden. Zudem ist die Fassade mit nicht sichtbaren Elektrosmog-Schutzgittern eingepackt. Bei der Verlegung der Elektroleitungen wurde besonders Wert darauf gelegt, dass keine überflüssige Strahlung in die Wohnungen abgegeben wird.

Quellen: rts.ch | cocon-schmitten.ch

Abgeschirmte, isolierte Häuser träumen davon, ein Zufluchtsort für elektrosensible Menschen zu sein.

Vorheriger Artikel (2019) | Elektrohypersensible Menschen, die in Gegenwart von elektromagnetischen Feldern oder Wellen unter Symptomen leiden, sind in ihrem täglichen Leben stark beeinträchtigt. Ein Projekt in Fribourg will ihnen einen geschützten Lebensraum bieten.

Mit dem Aufkommen der Hochgeschwindigkeitstechnologie für 5G-Mobiltelefonie in der Schweiz fragen sich viele Menschen mit Elektrohypersensibilität (EHS), wo sie überleben können. Wie Sosthène Berger aus Bern sind sie intolerant gegenüber elektromagnetischen Feldern und Wellen, die von drahtlosen Technologien wie Basisstationen, Computern, Mobiltelefonen, Wi-Fi-Netzwerken usw. ausgestrahlt werden. Die Schweizer Regierung hat daher beschlossen, ihnen einen geschützten Lebensraum zu bieten.

Für sie gedacht, nimmt ein innovatives Projekt im Kanton Freiburg Gestalt an. In Schmitten (Ortsteil Singine) werden derzeit drei Gebäude -27 Wohnungen- untersucht, die ihre Bewohner vor (technischer) Außenstrahlung schützen sollen.

Wird der Schutz bald zum Standard?

„Ihre Außenhülle wird abgeschirmt sein – mit Aluminium und Graphit an der Fassade. Im Inneren wird eine isolierende Farbe und ein Bodenbelag die verschiedenen Wohnungen isolieren, um zu verhindern, dass das W-LAN von einer Wohnung zur anderen weitergegeben wird“, erklärt Gédéon Abebe, ein Architekt des Büros Aaag, das das Projekt entwickelt.

Diese Art der Konstruktion könnte sich in Zukunft mit dem Aufkommen von 5G durchsetzen, glaubt der Architekt. „Der Schutz von Mietern vor Strahlung wird zum Standard werden.“

800.000 Menschen betroffen

Nach Angaben der Verbände zum Schutz elektrohypersensibler Menschen sind in der Schweiz 800.000 Menschen betroffen, eine Zahl, die den Projektträger beeindruckte.

„Als mir der Architekt seine Idee vorstellte, war ich überrascht, wie viele Menschen von diesem Problem betroffen sind“, bestätigt Alain Deschenaux, Direktor der Nordmann Fribourg Gruppe. Was sich derzeit als Nische abzeichnet, könnte nach Ansicht des Entwicklers ein vielversprechender Markt für alle Gebäude von morgen werden. „Das ist eine Gelegenheit, heute eine andere Bauweise an einer unserer Immobilien zu testen“, sagt er.

Höhere Kosten

Die Baukosten dieser geschützten Gebäude sind etwa 10 % höher als bei einer herkömmlichen Konstruktion, was hauptsächlich auf die verwendeten Materialien zurückzuführen ist. Außerdem ist es notwendig, die Betonplatten zu entmagnetisieren, die Elektrik, die sanitären Anlagen und die Heizung anzupassen.

Es überrascht nicht, dass die Mieten für die Wohnungen auch etwas höher sein werden. Ein Preis, der dennoch bescheiden bleibt, im Austausch für eine deutlich verbesserte Situation für Menschen, die an EHS leiden, sagt Alain Deschenaux.

In der Schweiz gibt es derzeit nur ein einziges solches Beispiel, ein Haus in Zürich, das seit 2013 Menschen mit dieser Störung und Chemikalienunverträglichkeit beherbergt.

5G wird für Ende 2019 erwartet

Die Einführung von 5G wird für Ende des Jahres in der Schweiz erwartet, so die drei Betreiber Swisscom, Salt und Sunrise, die die Frequenzen erhalten haben.

Allerdings ist diese Technologie noch umstritten. Im September 2017 unterzeichneten 170 Wissenschaftler (darunter zwei Schweizer) eine Petition, in der sie ein Moratorium für die Entwicklung von 5G wegen einer möglichen Gefährdung der Bevölkerung empfehlen. Quelle: rts.ch

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